Seawitch in St. Peters Port, Guernsey
Seawitch in St. Peters Port, Guernsey

Wo sind all die Segler hin…

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Wo sind sie geblieben?

Tomy und ich sitzen abends vor dem Kamin. Während ich Fotos sortiere, Fotobücher erstelle und mich an die wundervollen Menschen, die wir unterwegs trafen, erinnern, stöbert Tomy im Internet und liest, wie es ihnen ergangen ist. Ein wenig vermissen wir sie…

Alle träumten sie vom Segeln, von Abenteuern und fernen Landen, und doch fand und findet jeder seine ganz eigene Route, den Traum zu verwirklichen: Während die einen immer noch in der wunderschönen Bretagne sind, ist ein Schiff sogar schon beinahe rundherum. Dabei starteten alle etwa zur gleichen Zeit in 2014!

Es gibt viele Arten, einen Traum zu leben und weit zu segeln:

Tim und Els von der Seawitch (Niederlande, Blog auf Niederländisch) waren unsere Stegnachbarn in Katwoude, wir grüßten einander freundlich doch nicht mehr. Einen Monat vor uns, Anfang Mai 2014, waren sie plötzlich weg. Und in Guernsey stand Tim an unserem Steg und half beim Anlegen! Tim ist Segellehrer für Hochseesegeln, doch Els ist die hohe See etwas unheimlich. Also tingeln sie die Atlantikküste hinunter, genießen das Leben in der schönen Bretagne. Dieses Jahr überwintern sie in Morlaix.

Das grüne Schiff ist die Seawitch

Heinz und Christine von der Anima Mea wir in A Coruna und verbrachten viele schöne Stunden mit ihnen. Heinz baute seine Anima Mea selbst und träumte von der Atlantiküberquerung. Doch die Fahrt über die Biskaya brachte die beiden an ihre Grenzen: Sie steuerten drei Tage von Hand durch eine bedrohliche See, seltsamerweise zur gleichen Zeit wie wir. So begrub Heinz seinen Traum, die beiden erkunden jetzt das Mittelmeer. Christine: „Das langsame Reisen gibt uns doch viel mehr als immer riesige Strecken zu segeln. Wir fahren gerne mal ins Landesinnere und sind begeistert von den alten Städten, der Kultur und der Geschichte im Mittelmeerraum.“ Im Winter erfreuen sie sich übrigens an den Enkelkindern.

Martin und Violetta von der Ganescha: Auch Martin und Violetta trafen wir in A Coruna und Oeiras. Ihr geliebter Hund, etwas altersschwach und nicht seetauglich, ebenso Violettas Angst vor dem Wasser verhinderte zunächst die Verwirklichung von Martins Traum vom Segeln über den Atlantik. Dieses Jahr starb der Hund, wurde sehr beweint, und Violetta überwand ihre Angst – Die Ganescha liegt zur Zeit in Lanzarote. Martin kämpft ein wenig mit seiner Gesundheit, doch im März wollen sie wieder segeln, diese Saison zwischen den Kanarischen Inseln.

Miri, Manni und Silvi von der Lady S: Ach, was vermisse ich Mannis flotte Sprüche! Und Silvis erfrischenden Enthusiasmus bei der Ausrüstung ihres Schiffes: Sie ist die einzige Frau unterwegs, die dafür verantwortlich ist. Sie baut um und ein, kauft, was notwendig ist, immer lächelnd und fröhlich. „Im Mast ist die komplette Verkabelung neu, das Radar dran und die Maststufen. Unser Solarpaneel liefert Strom, die Rettungsinsel hängt am Heck und das Ais und neuer Funk tun auch Ihre Dienste. Ich verbringe meine Tage in der Ankerkiste und habe die meisten Harzarbeiten zum Einbau der elektrischen Ankerwinsch fast fertig. Dann gibt es noch einen Haufen Kleingruscht zu erledigen.“ schreibt sie mir. Miri ist die stille Eminenz im Hintergrund. Es wird noch ein klein wenig dauern, bis die drei loskönnen, im Moment üben sie noch den Umgang mit dem Wind auf einem Segelschiff auf den Kanaren. Segelfliegen können sie ja schon.

Marcel, Joanna und Nico von der Chulugi: Auf Madeira trafen wir den peruanischen Nackthund mit der eigenwilligen Zunge und seine „Eltern“ Marcel und Joanna. Auf La Palma feierten wir meinen Geburtstag gemeinsam mit zu viel Rotwein. Auch sie reisen langsam und genussvoll, hingen lange auf den Kanaren fest, erkundeten die Kap Verden und sind jetzt in Gambia. Irgendwann wollen sie nach Brasilien, Salvador und so. Und nach Südafrika – also anders herum.

Nico, der peruanische Nackthund von der Chulugi

Milan und seine Familie von der Fleumel IV: Lange Zeit war Milan die gute Seele des TO (TransOcean Verein für Hochseesegeln) in Mindelo. Auch uns bereitete er ein großartiges Willkommen, zeigte uns die Insel, versorgte uns mit Tipps, Wegpunkten und leckeren Fisch. Doch jetzt ist er selbst am Sprung. Im letzten Jahr verkaufte er seine Fleumel III und ersetzte sie mit einer größeren Yacht. Wann es losgeht? Bald! Wohin? Fischen! Und nach Brasilien! Wenn nicht wieder etwas dazwischenkommt.

Walter und Elke von der Sunrise kennen wir ebenfalls seit A Coruna. Wir trafen sie zuletzt in Santa Cruz de La Palma, wo sie mit der Atlantic Odyssey II 2015 zu ihrer Atlantiküberquerung starteten. Nach einer Saison in der Karibik, „überhurrikante“ ihr Schiff in Trinidad, die beiden zu Hause in Deutschland. Und dort wäre ihre Reise beinahe zu Ende gewesen: Walter brach sich zwei Brustwirbel bei einem Unfall bei der Gartenarbeit. Seitdem mag Tomy mir gar nicht mehr dabei helfen! Walter hatte Glück, es geht ihm wieder gut. Anfang Januar flogen sie zurück zur Sunrise und sind jetzt in Grenada.
Ihr Blog ist übrigens meine liebste Segel-Bloglektüre: Elke schreibt so vergnüglich! Prädikat: Reinschauen!

Die Sunrise vor dem Start zur Atlantic Odyseey Januar 2015

Tom von der Cariad gehört zu jener großartigen Seglergemeinschaft, mit der wir von Mindelo aus den Atlantik überquerten. Er war lange Zeit in Trinidad, jetzt ist er in Grenada. Dort wartet er gerade auf ein Schiff, von dem er ein aufblasbares Kanu kaufen will. Witzigerweise ist dieses Schiff mit der Sunrise unterwegs. Tom will dieses Jahr über den Karibikbogen hinauf nach Kuba. Durch den Panama-Kanal will er erst nächstes Jahr gehen. Oder übernächstes… Wäre schön, ihn wieder zu treffen!

Die Cariad in der kleinen Bucht hinter Bom Jesus

Dietmar und Katja von der Summer segeln jetzt auf der Caesarina, einer Swan 55, weiter, zurzeit in der Karibik. Der Name sagt alles! Ein wahrhaft kaiserliches Schiff! Auf Dietmar trafen wir zum ersten Mal im Äther vor Lissabon, als er mit einer anderen Crew funkte. War langweilig da draußen, kein Wind, also hörten wir mit…
Persönlich trafen wir ihn im Januar 2015 in La Gomera, da war Katja auf Heimurlaub. Ob wir sie auch mal kennenlernen werden?

Herbert und seine Jungs von der Maya (Schweiz)  trafen wir auf La Gomera das erste Mal und später nochmal in Mindelo, seine Frau Asma haben wir leider nie kennengelernt. Die vier haben im vergangenen Jahr sage und schreibe 15 Länder besucht – na gut, ein wenig getrickst haben sie dabei – und sind durch den Panamakanal. Somit ist die Maya eines von den beiden Schiffen hier, die es in den Pazifik geschafft haben. Gerade sind sie in Costa Rica, suchen Whale Sharks und finden Schlangen.

Erwin von der Saphira (Österreich) ist aus Gloggnitz, sprich aus praktisch der Gegend aus der ich komme… Wir trafen einander nur einmal auf Itaparica, doch versorgte Erwin mich schon vorher mit allen wichtigen WLan Passwörtern am Ankerplatz. Und mit Tipps für den Törn nach Französisch Guyana. Sein Schiff liegt in Martinique, er selbst ist in Europa, Geld für die Weiterreise verdienen.

Patrick und Leentje von der Silmaril (Belgien, Blog auf Englisch) kennen wir am längsten – seit Camaret sur Mer. Wir waren in Portugal zusammen, in Madeira und jetzt in Brasilien. Dorthin wollten die beiden ursprünglich gar nicht, wir haben sie sozusagen dazu verführt. Jetzt sind sie selbst verliebt in Bahia! Wegen dieser dummen 90 aus 180 Tagen Regelung, die die Zeit in Brasilien beschränkt, sind sie auch gerade zu Hause. Demnächst geht es dann Richtung Süden. Oder doch Norden?

Silmaril vor Itaparica

Micha und Jaqueline von der Sailormoon (Österreich) sind ein erfrischend unbedarftes und herrlich entspanntes junges Abenteuer-Segel-Pärchen aus Österreich. Sie segelten mit uns von Mindelo über den Atlantik nach Brasilien, mussten allerdings vorzeitig nach Jacaré abdrehen: Jaqueline war besorgniserregend seekrank. Den Grund dafür hält sie heute zärtlich im Arm: Willi, ihr Sohn, kam im Oktober in Österreich zur Welt. Micha segelt gerade mit zwei Freunden die Sailormoon nach Grenada, Ende Februar kommen Jaqueline und Willi nach. Wohin es dann geht? Werden wir lesen!

Thomas von der Outer Rim ist mit Frau und vier Kindern unterwegs, das jüngste ist etwa so alt wie unser Lian, also 2 1/2. Und die sechs wollen unten ums Kap Horn herum in den Pazifik. Ihr Blog ist voll mit atemberaubenden Naturerlebnissen. Da wünsch‘ ich mir schon manchmal, nicht so eine Frostbeule zu sein und es ihnen gleich zu tun. Im Moment stecken sie vermutlich in irgendeiner Caleta in Feuerland, meist dick angezogen und hoffentlich mit funktionierendem Außenborder! Den hat nämlich der Wind gebadet…

die Outer Rim liegt im Hintergrund am Fuße des Regenbogens

Tom und Anja von der Robusta (Schweiz) gehören auch zu der legendären Seglergemeinschaft aus Mindelo. Leider machten die beiden in Salvador sehr schlechte Erfahrungen, sowohl bei der Instandhaltung der Robusta als auch persönlich. Sie segelten im Juni 2015 Richtung Süden, mussten unterwegs ihren Holzmast legen und reparieren, ebenso nochmals die Lagerung des Motors und lagen vor kurzem in der Caleta Horno in Argentinien, gemeinsam mit der Kalibu, die wir auch in Salvador trafen. Thomas und Birgit sind auch mit Kindern unterwegs – sehr schön sind die Beiträge der Kinder, Leonard und Zoe, auf dem Blog der Kalibu.

Die Gallionsfigur der Robusta – noch heil und ganz

Jens und Dagmar von der Garlix rasen um die Welt. Ich glaube, auf einer X-Yacht erliegt mann ganz automatisch dem Rausch der Geschwindigkeit! Sie segelten im November 2014 mit der ARC von Las Palmas in die Karibik und nehmen jetzt an der ARC-World Tour teil. Im Moment „fliegen“ sie Richtung Salvador, Ziel ist St. Lucia. Sie sind also schon wieder im Atlantik, quasi rundherum.

Jochen und Hanna segeln schon eine Weile nicht mehr, sie sind zu Landratten geworden und leben – meistens – auf Itaparica. Jochen verkaufte sein Schiff in Katwoude, dort trafen wir ihn zum ersten Mal und dann wieder in Bahia. Wo die beiden gerade stecken ist schwer zu sagen: Deutschland, Mallorca, Santo Andre, Itaparica… Reisenden Landratten und Fans von schönen Ferienhäusern empfehle ich erst mal einen Besuch auf ihren Webseiten.

Malou und Camille, die beiden Mädchen von der Cygnus Peña, hab ich leider ganz aus den Augen verloren. Dabei haben wir uns in Porto Santo so nett unterhalten! Sie wollten mit ihren Patchworkeltern und der ARC in die Karibik. Und dann? Ich weiß es nicht mehr! Ihr Schiff liegt jedenfalls laut Marinetraffic in Italien.

Das Logo der Cygnus Pena an der Kaimauer von Porto Santo

 

Ja, wir alle leben unseren Traum, so verschieden wie Menschen eben sind. Unser Leben unterwegs unterscheidet sich im täglichen Ablauf sicher sehr von dem, sagen wir einer Angestellten, zu Hause. Und doch haben wir alle mit den gleichen grundlegenden Herausforderungen zu tun: Gesundheit, Beziehung zu Mensch und Tier, finanzielle Grundlagen, Sicherheit von Person, Hab und Gut.

Nein, auch wer einen Traum folgt, tanzt mit dem Leben, so wie die, die im Hamsterrad stecken, einzig die Deko und die Musik sind schöner und wilder!

PS: Florian vom flocblog rief zur Blogparade „Deine Reise ist nicht meine Reise“ auf. Wie ihr seht, ist die Segel-Reise der anderen auch nichr unsere – macht das nicht Mut? Die eigene zu wagen? So, wie es für dich und deine Familie am besten ist? Und braucht es nicht manchmal Großzügigkeit die Reisen der andern zu akzeptieren? Da spricht mir Maria, eine andere Teilnehmerin aus dem Herzen! Ihr Blog gefällt mir, weil sie so wie ich hin und hergerissen zwischen Abenteuerlust und Hund, Haus und Hof ist.

5 Kommentare

  1. Mal schauen 😉 Im Mai bin ich das nächste mal in Südafrika … ein Kumpel wollte mich schon immer einmal auf sein Boot einladen. Vielleicht wird das ein erneutes Abenteuer. Ich werde auf jeden Fall berichten!

    LG Daniel

  2. Pingback: Reise-Typen: Deine Reise ist nicht meine Reise! - Blogparade

  3. Wahnsinn! Und da denkt der geneigte Leser, Segeln macht bzw. ist Einsam. Aber wenn ich deinen Beitrag so lese, dann lernt ihr mehr Leute kennen, als bei einer Busreise! 😉

    Lieben Dank für den Einblick!

    LG Daniel

    • Segeln ist nur auf langen Strecken einsam, am Ankerplatz oder im Hafen ist eine tolle Gemeinschaft, zumindest bei den Langstreckenseglern. Vielleicht ist das ja auch mal was für dich!
      Liebe Grüße
      Steffi

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